Rico Rodriguez is back! Fünf Jahre sind vergangen seit dem letzten Auftritt des Königs der Rebellen. Und er strotzt nur so vor Tatendrang! Publisher Square Enix und die schwedischen Entwickler von Avalanche Studios lassen den «Dictator Removal Specialist» in Just Cause 3 in seine Heimat zurückkehren, die fiktive mediterrane Inselgruppe Medici. Dort regiert Diktator Sebastiano Di Ravello mit eiserner Hand, unterdrückt gnadenlos die Bevölkerung und plant, mithilfe des mysteriösen Metalls Bavarium seinen Machteinfluss auszubauen.
Die Widerstandskämpfer von Medici können Rico gut gebrauchen, denn dieser weiss, wie Despoten gestürzt werden. Daher lautet Ricos Mission: mit einer kleinen Gruppe von Mitstreitern die Siedlungen von Medici zu befreien und die Tyrannei des Diktators Di Ravello zu beenden. Rico und die Rebellen sind so etwas wie die physische Manifestation der Kavallerie, die durch offene Konfrontation ein spektakuläres Feuerwerk der chaotischen Destruktion zünden und dem Diktator die Hölle heissmachen.
Story
Die Handlung ist durch die platte Gegenüberstellung von Held und Schurke sehr klassisch und langweilig. Doch die selbstlose Haltung von Rico, sich mit unterlegenen Ressourcen für ein höher gestelltes Ziel zu engagieren, verpasst ihm einen liebenswürdig-romantischen Charakter. Dafür erhält er einen Freipass, um seine Zerstörungswut ungehindert auszuleben. Das kann aber nicht darüber hinwegtrösten, dass Rico und seine Mitstreiter zu oberflächlich rüberkommen. Durch die schwachen Profile wurde verpasst, die Geschichte mit einer gewissen emotionalen Tiefe auszustatten. So bleibt es dem Spieler verwehrt, die Figuren näher kennenzulernen.
Gameplay
Das Open-World-Spielprinzip aus den beiden Vorgängertiteln von Just Cause wurde für den dritten Teil beibehalten. Die Spielwelt wurde nicht signifikant verändert, jedoch sind mehr spezifische Orte auf der Karte zu erkunden. Durch die Third-Person-Perspektive folgt man Rico auf seinen explosiven Abenteuern hautnah. Das ist vor allem dann aufregend, wenn als Fortbewegungsmittel etwa der Greifhaken, Fallschirm oder Wingsuit eingesetzt wird. Für Rico gibt es nahezu kein Hindernis, welches er nicht überwinden kann, ganz egal ob Bäume, Mauern oder Klippen. Die Steuerung ist eigentlich sehr unkompliziert; nur in Fahrzeugen entsteht aufgrund der langsamen Reaktionszeit manchmal der Eindruck, Rico sei hinter dem Steuer eingepennt.
Massenzerstörung ist das erklärte Ziel von Just Cause 3. So können alle möglichen Dinge wie Statuen, Brücken, Fahrzeuge oder Militärbasen in die Luft gesprengt werden, dies auf verschiedene Art und Weise, versteht sich. Bedauerlicherweise bewegt sich das KI-Level von Ricos Kontrahenten auf ziemlich dilettantischem Niveau. Bei Feuergefechten mit Soldaten etwa rennen diese wie aufgescheuchte Hühner herum und lassen sich sogar ohne genaues Zielen derart einfach abknallen, dass es selten richtig spannend wird; und das, obwohl sich Rico weder ducken noch in Deckung gehen kann.
Multiplayer
Just Cause 3 enttäuscht Freunde des Mehrspieler-Modus. Es gibt derzeit keinen Multiplayer. Das muss allerdings nicht so bleiben. Gemäss Angaben des Entwicklerstudios schliesst es die Einführung eines zusätzlichen Multiplayers für die Zukunft nicht aus.
Technik
Eine Stärke des Spiels verursacht gleichzeitig eine seiner grössten Schwächen. Wenn allzu viel miteinander hochgeht und Rico es richtig krachen lässt, kämpft die Hardware mit Kapazitätsengpässen. Der Titel beginnt hin und wieder zu ruckeln. Stockende Performance ist ein No-Go in einem Spiel, dessen Kernpunkt die Action-Szenerie sein soll. Lange Ladezeiten erhöhen den Spielfluss dabei ebenfalls nicht. Die Sprachsynchronisation wirkt leblos und passt nicht zu den überzeugenden visuellen Impressionen. Die tolle Atmosphäre mit dem mitreissenden Soundtrack verdankt das Spiel dem Musikteam um Komponist Henry Jackman, das seinen Job mehr als nur solide erledigt hat.
Fazit
Eine tropische Insel in Hollywood-Manier in die Luft zu jagen, ist zweifellos ein Riesenspass. Die pausenlose Action wird in gut inszenierten Bildern stilecht dokumentiert. Die Zerstörungsorgie stand offensichtlich im Mittelpunkt der Spielentwicklung und ist ganz ordentlich gelungen. Wenn Rico will, wird er seinem Ruf als Diktatorenschreck mehr als nur gerecht, denn Just Cause 3 bietet reichlich Potenzial für kreative Zerstörungsorgien. Leider sind aber sowohl eine innovative Story als auch authentische Charaktere auf der Strecke geblieben, was dem Spiel eine fundierte Erzählstruktur verliehen hätte.
Links:
Zur Game-Review bei OutNow.CH vom 5. Januar 2016
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