Wie beschreibt man Musik mit sprachlichen Mitteln?
Wie knifflig diese Frage ist, hat mir der Kulturjournalismus-Kurs am MAZ gezeigt. Einerseits, weil ich von Musik nicht viel verstehe, und andererseits, weil Musik keine Rücksicht auf linguistische Regeln nimmt. Durch sprachliche Beschreibung eine möglichst konkrete Vorstellung von Tönen zu erreichen, ist verflixt schwierig.
In einer Übung zu Regina Spektors What We Saw from the Cheap Seats habe ich den folgenden In-45-Minuten-muss-der-Text-fertig-sein-Versuch unternommen:
Die Songtexte von What We Saw from the Cheap Seats, das sechste Studioalbum der russischstämmigen Sängerin Regina Spektor, provozieren Bilder, die sich einer klaren Ordnung entziehen. Mal etwas Folk, etwas Jazz, dann wieder Blues. Das lässt einen roten Faden vermissen, der Klarheit schaffen und eine gewisse Orientierung vermitteln würde. Das ist aber durchaus von der Künstlerin gewollt. Insofern ist es diesbezüglich halb so schlimm, wenn Geschichte und Kontinuität fehlen und die Melodien aufgrund unorthodoxer Instrumentenkombination meistens etwas verfehlt klingen.
Das ist sehr schade, denn Regina Spektor verfügt über eine fundamentale Stärke – ihre talentierte Stimme: weich, sanft und einfühlsam – man wünscht sich, wieder ein Kind zu sein, um von ihr in den Schlaf gesungen zu werden.
Und dennoch fragt man sich, welche Emotionen angesichts der vielen absichtlichen Fragezeichen angesprochen werden sollen. Man weiss nicht so recht, was man sich vorstellen soll, und wer das „wir“ des Albumtitels ist, und „was“ von den „billigen Plätzen“ gesehen wurde. So bleibt eine Identifikation des Hörers mit der Musikerin aus.
Wie herausfordernd Regina Spektor ihre Musik visuell darstellt, zeigt ein Musikvideo. Falls man da etwas Ordnung wünscht: Bitte selber klassifizieren …