Game-Review: République

Das Stealth-Action-Game République besteht aus fünf Episoden und ist der erste veröffentlichte Titel des Independentstudios Camouflaj. Das Spiel wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter finanziert. Es war ursprünglich für iOS-Geräte angekündigt; mittlerweile sind Versionen für andere Plattformen dazugekommen. Zum Entwicklerteam gehörten Profis, die an Titeln wie Metal Gear Solid oder Halo mitgearbeitet haben.

Das Spiel inszeniert eine fiktive Zukunft, in der das Leben im Staat „République“ von einem totalitären Regime elektronisch überwacht wird. Dabei hilft der Spieler einer jungen Frau namens Hope, die vom Regime gefangengehalten wird. Das Ziel ist, ihre Flucht zu ermöglichen, indem für sie beispielsweise geschlossene Türen entriegelt werden. Die Interaktion mit ihr erfolgt via Handy und anderen elektronischen Geräten, etwa Telefonen, Alarmanlagen oder Kameras. Auf diese Weise muss Hope zahlreiche Hindernisse überwinden, eins nach dem anderen, um ihre Freiheit wiederzuerlangen. Und das in einer Welt voller Misstrauen. Wird sie das schaffen?

Story
Angesichts der Tatsache, dass sich die Welt durch elektronische Vernetzung immer abhängiger von der Technologie macht («Internet der Dinge») und diese dadurch immer weitreichendere Kontrolle über gesellschaftliche Prozesse übernimmt, trifft die Story unbestritten den Nagel auf den Kopf. Allerdings ist République nicht das erste Game, das diese Entwicklung thematisiert. Es sei zum Beispiel auf Watch Dogs verwiesen.

Allerdings entsteht zwischen Hauptprotagonistin Hope und dem Spieler eine besondere Beziehung, weil er sie aus ihrem Gefängnis befreien kann, und der Spieler dafür durch Hopes Handlungen vertiefte Einblicke in ihre dystopische Welt erhält. Der Spieler steuert Hope nicht direkt, sondern unterstützt sie auf ihrer Flucht, sobald die Zelle aufgesperrt wird und sie ihrem Wahrheitsdrang folgen kann, wobei sie freilich nicht erwischt werden darf. Denn sie gehört mit anderen Jugendlichen zu einer Gruppe sogenannter Pre-Cals – junger Menschen, die in einer «Metamorphosis» genannten Einrichtung zum Funktionieren im totalitären System herangezogen werden. Durch verbotene Literatur hat sie sich aber Kenntnisse erworben, die sie nicht wissen dürfte. République erinnert darin an George Orwells «1984» und andere bekannte dystopische Literaturvorlagen oder den Filmklassiker Matrix.

Gameplay
Der Spieler führt Hope durch den virtuellen Irrgarten und zeigt ihr, wohin sie gehen soll. So entsteht nicht nur das Gefühl, hinter der Überwachungskameras zu versauern, sondern die Flucht von Hope aktiv mitzugestalten. Und zwar so, dass sie von den Wachen nicht ertappt wird. Dabei kann die junge Frau nicht nur ihre Geschicklichkeit einsetzen, sondern auch leichte Waffen und andere Hilfsmittel, mit denen sie Fluchtwege öffnen kann. Ein weiteres Aktiv-Element kommt dann zum Einsatz, wenn Hope mal Hilfe braucht. Dann muss der Spieler seine Hacking-Fähigkeiten einbringen und das Überwachungssystem knacken, damit er die elektronische Infrastruktur wie Kameras, Türen und Aufzüge steuern kann.

Mit verschiedenen Tricks können die Wachen abgelenkt und getäuscht werden. Zu diesen Zwecken wird die Software «OMNI View» benutzt, die in gewissen Spielsituationen ein Upgrade benötigen. In diesem Zusammenhang ist es schade, dass die Wachen etwas apathisch wirken und keine ernste Bedrohung für Hope sind. Das sorgfältige Abchecken von Hopes Umgebung reicht meistens aus, um sie an Infos gelangen zu lassen. Diese erreicht die junge Frau durch das Sammeln von verschiedenen Medienträgern wie Büchern oder Postern. Leider kommt selten richtige Spannung auf, die Handlung plätschert vor sich hin und gibt dem Spieler wenig Gestaltungsraum.

Technik
Die Spielsteuerung erfordert keine Fingerakrobatik. Eine längere Eingewöhnung ist nicht nötig, da vergleichsweise etwa mit einem Mixed-Martial-Arts-Spiel eher wenige Befehle beherrscht werden müssen. Die Grafik kommt vor dem Hintergrund des begrenzten Budgets gründlich daher, mehr aber auch nicht. Dafür versucht République, im Voice-Acting zu punkten. So gehörten David Hayter oder Jennifer Hale zum Cast, die 2013 als produktivste weibliche Sprecherin für Videogames ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen wurde.

Fazit
République hinterfragt eine zeitgenössische gesellschaftspolitische Entwicklung. Mehrere Dinge dabei sind ironisch: Der Gamename République (Republik als Gegenteil einer Diktatur), der Name der Hauptprotagonistin Hope (Hoffnung) und vor allem, dass der Spieler selber die Position des «Big Brother» übernimmt aufgrund seines Blickes durch die Überwachungskameras. Die Story ist eine nette Idee, aber es fehlen darüber hinaus Elemente, die das Spiel längerfristig attraktiv halten. Nur stummes Herumschleichen und das Erteilen von simplen Befehlen, um Fundstücke zu sammeln, ist zu wenig. Für ein Stealth-Game wurde die Cleverness der Wachen sträflich vernachlässigt. Es ist viel zu einfach, diese zu täuschen. Vielleicht lag es am Budget, das dem profilierten Entwicklerteam um Camouflaj-Gründer Ryan Payton nicht mehr Möglichkeiten einräumte.

Links:
Zur Game-Review bei OutNow.CH vom 20. April 2016
Zu den Game-Reviews

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