Das nur 15-köpfige Entwicklerteam des Indie-Studios Hello Games aus dem englischen Guildford verwendete bei No Man’s Sky die Technik einer prozedural generierten virtuellen Spielwelt. Diese erschafft sich während des Spiels quasi aus sich selbst heraus, ohne dass sie von vornherein festgelegt worden ist. Durch den Einsatz von Algorithmen entsteht ein gewaltiges Panorama von über 18 Trillionen (18’000’000’000’000’000’000) möglichen Planeten. Ein Videospiel als Galaxie, das wie eine Verwirklichung von Jorge Luis Borges‘ „Aleph“ rüberkommt; als ein kleines Ding, welches das unendliche Universum enthält.
Story
Es herrschen minus 60 Grad Celsius. Der Weltraumentdecker kommt auf einem abgelegenen Planeten zu sich. Das abgestürzte Raumschiffwrack muss repariert werden. Dafür sind gewisse Ressourcen notwendig, die auf den umliegenden Planeten gefunden werden können. Die Reise setzt sich fort, es wird von Planet zu Planet und von der einen Galaxie zur nächsten geflogen. Das eigentliche Ziel ist es, die Mitte dieses Open-Space zu erreichen.
Weil die Spielwelt prozedural simuliert wird, befinden sich zwar alle Spieler in derselben Welt, ohne jedoch zu wissen, welche kruden Darbietungen und schrägen Gestalten das Game als nächstes bereithält. Diese Ungewissheit hat ihren Reiz. Der Spieler muss sich in seiner Einsamkeit und im räumlichem Nichts selber einen Sinn suchen. Das Spiel bietet Platz für etwas, über das sich wohl jeder Spaziergänger in der Nacht schon gewundert hat: Was ist wohl dort oben, im schwarzen Nirgendwo?
In No Man’s Sky findet der Entdecker leuchtgrüne Ozeanböden, gelbe Wiesen und feuerrote Himmel. Es gibt toxisch verseuchte Areale oder extreme Kälteregionen, abnormal grosse Riesenschlangen und koboldartige Wesen. Als würde man sich in surreale Träume begeben, in die Verirrungen des Unterbewusstseins, wo Unvorsehbares geschieht und sich Figuren tummeln, die so abgespact sind, als befände man sich in einem rätselhaften Gemälde von Hieronymus Bosch. Manchmal fühlt man sich aber auch an Filme wie The Cabin in the Woods, Inception oder Oblivion erinnert.
Gameplay
Der Titel appelliert in erster Linie an die kindliche Neugier der Spieler: Es gibt massenhaft Welten, Tiere, Aliens und verwertbare Rohstoffe zu entdecken. All die Kreaturen zu klassifizieren, die da rumturnen, hätte Charles Darwin wahre Freudentränen bereitet. Und tatsächlich kann der Spieler gewisse Gegenstände, die er als Erster findet, wie ein echter Naturforscher benennen. Weitere Abwechslung bringt das Jagen von Tieren, womit die eigene Ausrüstung verbessert werden kann, oder Kämpfe mit Piraten und Robotern, wobei Letztere nervtötend sind, da man ihnen in der Einöde schutzlos ausgeliefert ist.
Eines ist klar: In No Man’s Sky gibt es nicht viel zu tun. Die hauptsächliche Aufgabe des Spielers besteht darin, ein grenzenloses Universum zu erkunden. Zu Fuss, per Jetpack oder mit einem Raumschiff. Man muss kämpfen, handeln und überleben. Reisen im Raumschiff wirkt wie in einer Zeitmaschine, quer durch Raum und Zeit fliegend. Schwerelos natürlich. Aber Achtung: Werden Rohstoffe zu stark ausgebeutet oder wird das Leben auf einem Planeten bedroht, steigt das Fahndungslevel, wie bei Grand Theft Auto. Dann eilen Wächterdrohnen herbei und versuchen den Spieler auszuschalten. Diese virtuelle Idee sollte aus Naturschutzgründen schleunigst auch in die reale Welt überführt werden.
Die Mechanik des Gameplays funktioniert zwar ordentlich. Das Problem dabei ist jedoch, dass sie zu simpel ist und sich der Spielablauf dadurch schnell wiederholt. Die zufällige Generierung der Umgebung hat Nachteile: Minutenlang trampt man ziellos über einen Planeten auf der Suche nach neuen Ressourcen, wie zum Beispiel Plutonium oder Eisen, weil etwa wieder keine Munition mehr da ist. Darunter leiden die spielerischen Elemente, welche dem Spiel eine charakteristische Prägnanz verliehen hätten. Deswegen ist No Man’s Sky nichts für Action- und Ballerfans. Gelungen sind dafür die Aliensprachen, die man erlernen kann, um zu kommunizieren. Zu Beginn ist das kryptische Kauderwelsch unverständlich – das hat etwas von Dadaismus.
Multiplayer
Multiplayer-Elemente, wie sie heutzutage normal sind, etwa ein Cooperative-Mode, fehlen im Spiel. Andere Spieler im Universum zu treffen, ist daher nahezu ausgeschlossen. Immerhin kann man Freunden auf ihrem Weg durch die Galaxie via Map folgen.
Technik
Das grafische Erscheinungsbild von No Man’s Sky ist insgesamt in Ordnung, wirkt aber oft nicht ganz ausgereift. Manche Landschaftsobjekte oder Gegenstände sind erst spät zu sehen und poppen aus dem Nichts hervor. Nichtsdestotrotz ist die Bildsprache imposant.
Die Menuführung ist cool – mit dem Stick wird über den gesamten Bildschirm intuitiv navigiert. Dagegen ist die Steuerung bei Kämpfen ungenau und schwerfällig, und die rudimentäre Physik macht sich hier bemerkbar, gepaart mit ein paar Bugs. Die Soundeffekte wie Tier- oder Wettergeräusche sind gelungen. Der Soundtrack stammt von der Band 65daysofstatic und gleicht sich den Situationen an.
Fazit
Das Action-Adventure-Survival-Game No Man’s Sky richtet sich an alle, denen die Welt nicht genug ist. Auch an diejenigen, die denken, das Sonnensystem sei zu klein. Es richtet sich an alle, die sich im Weltraum verlieren und in die endlosen Horizonte des Kosmos eintauchen wollen. Anders als bei vielen anderen Spielen geht es hier nicht um den Menschen als Protagonisten, sondern um die Spielwelt, in der man nie weiss, was einen erwartet. Schade nur, dass das Gameplay weit weniger Abwechslung bereithält als die Spielwelt.
Links:
Zur Game-Review bei OutNow.CH vom 3. September 2016
Zu den Game-Reviews