Game-Review: Mirror’s Edge Catalyst

Das Action-Adventure-Game Mirror’s Edge Catalyst ist nicht direkt ein Nachfolger, sondern viel eher ein Neubeginn des vor acht Jahren erschienen Mirror’s Edge, dessen Gameplay auf der Fortbewegungsart Parkour basiert. Es geht auch in diesem Teil vor allem ums Laufen. Protagonistin Faith erstürmt gläserne Hochhäuser, muss draufgängerische Stunts vollbringen und das Sicherheitspersonal austricksen – alles mit Hilfe ihrer Agilität und Kampf-Moves.

In der Rolle von Faith gilt es, ein totalitäres Regime bestehend aus dem Konglomerat mächtiger Privatunternehmen zu bekämpfen, das nichts mehr von Privatsphäre wissen will und die Welt regiert. Eines dieser Unternehmen ist die von Gabriel Kruger geleitete KrugerSec. Faith verlor früh ihre Eltern und Schwester, die sich dem Regime widersetzten. Jetzt ist sie Teil einer Gruppierung von so genannten Runnern, die von Noah, einem alten Familienfreund, angeführt wird. Mit vereinten Kräften wollen sie die Macht des Regimes brechen.

Story
Videospiele mit einer dystopischen Story rund um Privatkonzerne und Überwachung sind in aller Munde. Es sei an dieser Stelle verwiesen auf Games wie Call of Duty: Advanced Warfare, Watch Dogs oder République. Wer hat da auf ein weiteres solches Spiel gewartet, dessen Geschichte vorhersehbar ist und keinerlei Innovation beinhaltet? Dazu bleiben die Figuren mehrheitlich blass und distanziert. Und Faiths Vorgeschichte gibt zwar Aufschluss über ihre Motivation als Runnerin, aber wer würde sich für die Ermordung eigener Familienmitglieder nicht rächen wollen?

Gameplay
Eine Stärke des Spiels ist das ziemlich freie und flüssige Running durch die futuristische Stadt namens Glass. Faith durchquert dabei die städtische Umgebung oder Gebäude mittels Parkour und erfüllt Missionen. Dabei muss sie Feinde meiden oder direkt bekämpfen. Bei einem Kampf muss sich Faith ausschliesslich auf ihre Bewegungen verlassen, denn Waffen stehen ihr nicht zur Verfügung. Es ist aber ein Hohn, wie dämlich sich die Wachen teilweise aufführen und sich immer mit den gleichen, simplen Schlägen ausschalten lassen. Die Komboattacken direkt aus dem Running heraus sind nett, setzen aber keinen wirklichen Impuls.

Die verschiedenen Ziele, die zum Spielfortschritt erzielt werden müssen, lassen sich unkompliziert auf einer Stadtkarte markieren. Im Spiel kann Faith dann der Signalisierung folgen. Dies ist in der freien Open-World-Umgebung ein klarer Pluspunkt, damit der Spieler nicht die Orientierung verliert und Frustrationspotenzial präventiv eliminiert. Die Freiheit des Spielers wird dadurch aber nicht eingeschränkt. Die vielen möglichen Wege zu einem Ziel bleiben offen. Zusätzlich zur Hauptkampagne kann Faith an Nebenevents wie Trials oder Rennen teilnehmen. Die sorgt zumindest für ein wenig Abwechslung, aber auch hier ist zu beklagen, dass es keine wirkliche Innovation gibt. Solche Nebenmissionen kennt man zum Beispiel von den GTA-Games.

Multiplayer
Mirror’s Edge Catalyst hält für den Multiplayer-Modus mehrere Features bereit – von Entwickler EA Dice «Social Play» genannt. Daran ist interessant, dass es einen asynchronen Modus gibt, in dem die Aktionen eines Spielers die Spielwelt von anderen Gamern beeinflusst werden. Zum Beispiel die Trials, bei denen ein Spieler einen Weg durch Checkpoints vorgibt und andere Spieler gegeneinander um die schnellere Zeit rennen können. Leider fehlen traditionelle Multiplayer-Modi wie etwa Side-by-Side.

Technik
Das Parkour-Gameplay ist dynamisch: runde Bewegungen, kein Ruckeln. Darauf wurde bei der Spielentwicklung offensichtlich geachtet. Das ist gut so: Der Schwerpunkt des Games wurde nicht vernachlässigt. Die Kampfsteuerung bereitet keine grosse Mühen, sie ist mit simplen Tastenkombinationen zu meistern. Die Grafik ist in Ordnung, aber nicht mehr. Verglichen mit anderen zeitgenössischen Titeln bleibt das Game hinter den Möglichkeiten zurück. So wirkt die Stadtumgebung farblos, und die Charaktere überzeugen nicht gerade mit Detailreichtum. Der Sound bleibt grössenteils fade und schafft es nicht, eine packende Atmosphäre zu kreieren. Die etwas eigenwillige Optik ist wohl Geschmacksache.

Fazit
Wer den Spass an Mirror’s Edge Catalyst nicht verlieren will, sollte für Bewegung die nötige Motivation mitbringen. Das Spiel überzeugt mit seinem Gameplay und sorgt für Spass. Darüber hinaus bietet es allerdings nicht sehr viel mehr. Sobald einmal die Puste ausgeht, wird schnell klar, dass die Story flach und die Stadtwelt rundherum gähnend langweilig und leblos ist. Daher gilt: einfach weiterlaufen.

Links:
Zur Game-Review bei OutNow.CH vom 27. Juli 2016
Zu den Game-Reviews

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