Ich bin 11 Jahre alt, es ist der Halbfinal der Fussball-Europameisterschaften 2000, die Niederlande spielt in Amsterdam gegen Italien.
90 Minuten niederländische Überlegenheit. Zwei Penalties im Spiel, beide verschossen. Kein Sieger. 30 Minuten Verlängerung. Immer noch kein Sieger.
Elfmeterschiessen. Die Spieler jeder Mannschaft stehen an der Mittellinie, sie legen die Arme links und rechts auf die Schulter des Teamkameraden.
Immer wenn ein Spieler den Ball auf den weissen Punkt vor dem Tor setzt, balle ich meine Fäuste vor dem Gesicht, senke meinen Kopf, und kneife die Augen zu. In so einer Situation wünsche ich niemanden eine Niederlage. Doch die Regeln wollen es so; nur eine dieser Mannschaften erreicht das Endspiel. Ist das nicht unfair?
Frank de Boer schiesst als Erster für Holland. Und scheitert am Torwart. Dann Jaap Stam. Er haut den Ball weit über das Tor. Die Italiener treffen beide. Das darf doch nicht wahr sein! Dann macht Francesco Totti seinen Elfer auch noch frech und abgebrüht in die Mitte. Immerhin trifft Patrick Kluivert, mein Vorbild, und verkürzt. 1:3. Paolo Maldini scheitert an Edwin van der Saar. Jaaa! Noch ist es nicht vorbei! Paul Bosvelt läuft an, sein Kopf wackelt. Auch er kommt nicht an Francesco Toldo vorbei.
Meine Helden scheitern gnadenlos. Ich kann es nicht fassen und verstecke meine tränenden Augen hinter meinen Händen.