Yannick Del Curto, Sohn von HCD-Trainer Arno Del Curto, spielt seit Kurzem für den EHC Uri. Sursee. Am Mittwoch, 17. Januar, steht Yannick Del Curto mit der ersten Mannschaft des EHC Uri auf dem Eis. Der Gegner, der EHC Sursee, spielt um die Tabellenspitze und entscheidet das Spiel bereits im ersten Drittel – die Urner verschlafen den Start. Nach 10 gespielten Minuten steht es 5:0 für die Heimmannschaft. Noch nicht ganz 20 Minuten sind vorbei, und Sursee führt mit 9:0. Yannick Del Curto erzielt nach einer Einzelleistung kurz vor der Pause den ersten Treffer für den EHC Uri. Er spielt auf der Position des Mittelstürmers (Center) und trägt die Trikotnummer 68 – dieselbe wie die tschechische NHL-Legende Jaromir Jagr.
Der 25-jährige Yannick Del Curto ist seit Kurzem Spieler im Team des EHC Uri. Er ist während der laufenden Saison zur Mannschaft gestossen und hat einen bekannten Vater: Arno Del Curto, der Kulttrainer des Schweizer Eishockeys, der seit über 20 Jahren den HC Davos der National League A trainiert und mit diesem sechs Meistertitel und mehrere Spengler Cups gewonnen hat.
Mit Nino Niederreiter im Team
Im Restaurant Time Out in der Eishalle Sursee erzählt Yannick Del Curto vor dem Spiel, wie es für ihn mit dem Eishockey angefangen hat. Er beginnt im Alter von drei Jahren, Eishockey zu spielen. Vater Arno Del Curto steckt ihn ins Tor, weil sein Sohn zu wenig gut Schlittschuh laufen könne. Yannick Del Curto schafft es bis zu den Elitejunioren des Schweizer Rekordmeisters HC Davos. Als Torwart spielt er unter anderem gegen den russischen Spitzenverein ZSKA Moskau. Einer seiner Mannschaftskameraden ist der heutige NHL-Spieler Nino Niederreiter, ein Jahrgänger Yannick Del Curtos.
Das zweite Drittel verläuft ausgeglichen. Beide Teams erspielen sich Torchancen und können jeweils ein Tor erzielen. Nach 40 Minuten steht es 10:2 für Sursee. Im letzten Drittel des Spiels bieten sich auf beiden Seiten Torgelegenheiten, doch es fällt kein weiterer Treffer mehr. Das Heimteam Sursee entscheidet das Match mit 10:2 für sich. Auf der Website des EHC Uri heisst es in einem Fazit zum Spiel, die Einstellung der Spieler habe an eine elende Sauerei gegrenzt. Die Urner Mannschaft liegt nach diesem Spiel, dem 13. von insgesamt 18 der Saison, auf dem letzten Platz. Der Urner Verein, der seit 1977 besteht und sich 2013 in Eishockeyclub Uri (vormals: HC Andermatt-Göschenen) umbenannt hat, spielt momentan mit sechs anderen Teams in der 4. Liga, Ost, Gruppe 2.
Trainer in St. Gallen
Der Sprung zu den Profis bleibt Yannick Del Curto verwehrt. Stattdessen übernimmt er 2016 den Trainerposten beim HC Eisbären St. Gallen in der 3. Liga. Der Klub arbeitet im Nachwuchsbereich mit dem HC Davos zusammen. Um zu lernen, schaut Yannick Del Curto im Vorfeld bei Vater Arno bei Trainings und Spielen zu. Er wolle jedoch nicht mit ihm verglichen werden und seinen eigenen Stil entwickeln, sagte Yannick Del Curto im August 2016 in einem Interview in den «St. Galler Nachrichten».
Seine Leidenschaft für das Eishockeyspielen führt ihn dann zum EHC Uri. «Ich vermisste es, selber auf dem Eis zu stehen.» So läuft Yannick Del Curto seit Dezember beim Urner Verein als Spieler auf, dessen Trainings- und Spielkalender sich nicht mit demjenigen des HC Eisbären überschneidet. Auf dem Eis ist Yannick Del Curto leicht zu erkennen – als Einziger im Urner Team trägt er den Helm und die Shorts in HCD-Blau statt in Schwarz. Für das Eishockeyspielen nimmt Yannick Del Curto, der in Wollerau und Davos wohnt, weite Wege in Kauf. «Auf dem Eis zu stehen, bedeutet Freiheit. Es ist ein geiles Gefühl, auf dem Eis zu stehen.» Yannick Del Curto habe sich schon allerlei Bemerkungen wegen seines Namens anhören müssen. Damit müsse er leben, sagt er. Beim EHC Uri spiele die Bekanntheit seines Namens jedoch weniger eine Rolle. Schon eher in St. Gallen, wo sich einige Spieler eine bessere Entwicklung erhoffen. Die Spieler beim EHC Uri sind begeisterte Hobbyspieler, die viel Freizeit investieren. Das Team wird von Simon Tresch (Verteidiger) und Vereinspräsident Marco Zemp, ebenfalls Verteidiger, trainiert. Der Klub sucht allerdings einen Trainer für die nächste Saison.
Keine eigene Halle
Der EHC Uri bestreitet sämtliche Trainings und Heimspiele in fremden Hallen. Es gibt keine geeignete Spielstätte im Kanton Uri. Bis zum Sommer 2016 trainierte der EHC Uri 40 Jahre lang in Seewen (SZ). Die Betreiberin der Eishalle, die Kunsteisbahn Zingel AG, beendete jedoch die Zusammenarbeit für die Nutzung des Eisfeldes für das Training, sodass die Urner alternative Orte suchen mussten. Fündig wurde der Verein in Engelberg und Zug, wo die Mannschaft trainiert, sowie in Küssnacht am Rigi (SZ), wo die Heimspiele stattfinden. Das hat finanzielle Nachteile für den Verein zur Folge. Eine Spielzeit kostet rund 50 000 Franken, wie Marco Zemp auf Anfrage sagt. Davon entfällt rund die Hälfte der Kosten auf die Miete fremder Eisflächen.
Eine Kunsteisbahn, vorzugsweise im Urner Unterland, die während der Saisonmonate von Oktober bis März betrieben wird, würde den Interessen des Klubs entgegenkommen, wie Marco Zemp ausführt. Der Verein sieht hierfür ausreichend Potenzial. Schulen könnten die Eisbahn zum Schlittschuhlaufen nutzen, und die Urner Kinder seien sowieso begeistert vom Eishockey. Weil es ein Mangel an Eishallen in der Zentralschweiz gebe, könnte sie problemlos auch an auswärtige Mannschaften vermietet werden. Laut Marco Zemp könnte der EHC Uri mit einer eigenen Kunsteisbahn zu einem grossen Verein heranwachsen.
Zum Artikel im Urner Wochenblatt vom 27. Januar 2018
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